Reflexion meines Berufsfeldpraktikums – Entscheidungshilfe im Selbstfindungsprozess?

Was hat mir das Berufsfeldpraktikum letztendlich persönlich gebracht?

Ich denke es war vor allem die praktische Erfahrung außerschulischer Handlungsfelder, durch die mir gewisse Perspektiven eröffnet wurden auch freiberuflich als Musiker in verschiedenen Bereichen arbeiten zu können:

– Instrumentalunterricht

Am realistischsten ist bei meiner persönliche Schwerpunktsetzung in der eigenen musikalischen Entwicklung die Option mich im Bereich Gesang/ Vocal Coaching freiberuflich zu betätigen. Jedoch muss ich mir selbst eingestehen, dass ich mein bereits vorhandenes Wissen über Techniken und Grundlagen systematisieren müsste, um (vergleichbar mit der Planung einer Unterrichtsreihe im schulischen Kontext) eine in didaktischer Hinsicht langfristige Entwicklung zu ermöglichen. Allein für die Anerkennung meiner privat gesammelten Erfahrungen wäre sicher auch eine Fortbildung durch Workshops etablierter Gesangsschulen (v.a. „Complete Vocal Technic“, „Estill Voice Training“ und/oder funktionale Stimmbildung) für Pop- und Rock-Gesangstechniken sinnvoll. Ohne eine spezifische Ausbildung zum Gesangspädagogen ist es bekanntlich schwieriger bei festen Institutionen (wie beispielsweise der Jugendkunstschule Unna) angestellt zu werden. Allerdings bestünde die Option sich selbständig zu machen.

– Workshops

Anders als beim Gesangsunterricht stünde mir durch die positive Erfahrung meiner Praktikumsleiterin mit mir als Gastdozenten beim Rockworkshop bereits jetzt die Möglichkeit offen mich als bezahlter (!) Dozent beim nächsten Workshop zu beteiligen. Besonders im vielfältigen Bereich Bandarbeit sehe ich meine persönlichen Stärken, die ich auf jeden Fall zukünftig in meinen beruflichen Alltag einbringen möchte. Jedoch wäre auch hierfür eine grundlegende Fundierung meines praktisch erworbenen Wissens mit theoretisch didaktischen Überlegungen erforderlich.

– Konzerte

Wie bereits am Rande erwähnt gehören Konzerte im privaten und öffentlichen Rahmen schon seit einigen Jahren zu meinem finanziellen Nebenerwerb. Problematisch ist die Tatsache, dass man oft keine dauerhaften und langfristig planbaren Kooperation eingeht, sondern vor allem von Privatpersonen für einmalige Veranstaltungen (wie bspw. eine Hochzeit oder einen Geburtstag) gebucht wird. Manchmal ergeben sich jedoch auch Kontakte zu Besitzern von Gaststätten o.Ä. mit denen man mehrere Konzerte in regelmäßigen Abständen planen kann (z.B. musikalische Themenabende). Der Faktor Selbstmarketing ist aufgrund der hohen Konkurrenz zwischen den vorhandenen musikalischen Angeboten eine nicht zu unterschätzende Variable für den finanziellen Erfolg.

– Sonstige musikalische Tätigkeiten

Auf musikalischer „Schaffensebene“ interessiert mich persönlich auch die Dimension eher im Hintergrund beispielsweise als musikalischer Leiter bei Tonstudioaufnahmen oder als Komponist/Arrangeur von Stücken tätig zu werden. Unabdingbar für eine Tätigkeit in diesem musikalischen Sektor wird daher für mich die Beschäftigung mit den tragenden Strukturen und Institutionen der Musikwirtschaft und deren rechtlichen Aspekten sein. Für eine klarere Vorstellung über diese Tätigkeitsfelder wären weitere Praktika in konkreten Institutionen, wie beispielsweise einem Tonstudio oder Plattenlabel interessant. Besonders der Austausch mit BerufsmusikerInnen war mir während des Berufsfeldpraktikums ein wichtiges Anliegen und ich denke, dass ich aus vielseitigen Gesprächen einige realistische Einschätzungen und Erfahrungswerte mitgenommen habe.

Wie kann ich mich gezielt auf die Arbeit in den oben genannten freiberuflichen Tätigkeitsfeldern vorbereiten?

Seit zwei Wochen gebe ich nun wöchentlich 3 Bekannten von mir Gesangsunterricht, wobei ich versuche jede Unterrichtseinheit sinnvoll vor- und nachzubereiten. Dabei versuche ich nicht nur die in meinem persönlichen Gesangsunterricht erfahrenen Herangehensweisen zu wiederholen, sondern diese auf ihre Wirksamkeit hin zu reflektieren.

Darüber hinaus bietet es sich auch für den persönlichen musikalischen Fortschritt meiner Band „Max im Parkhaus“ an, dass zumindest alle Bandmitglieder, die am Songwriting beteiligt sind, über ein ähnlich umfangreiches musiktheoretisches Wissen verfügen – vor allem im Bereich Harmonielehre. Die Vermittlung der aus meiner Perspektive grundlegendsten Inhalte kann hier ebenfalls in Form von wöchentlichen Unterrichtseinheiten stattfinden. Die wichtigsten Zielsetzungen sind ein einheitliches Repertoire an musiktheoretischen Fachbegriffen und das Kennenlernen der gebräuchlichsten Notationsformen (Noten, TABs und Akkordsymbole), sodass schließlich das jeweils individuelle Musikverständnis vertieft und eine einheitlichere Kommunikation über Musik gefördert wird. Vor allem durch die Verwirklichung des letztgenannten Zieles erhoffe ich mir persönlich eine Beschleunigung zeitlicher Abläufe innerhalb des Songwriting-Prozesses.

Die Arbeit in und an meiner Band „Max im Parkhaus“ zeichnet sich besonders auch durch ein wechselseitiges Geben und Nehmen im Hinblick auf persönliche Lernprozesse aus. So kann ich beispielsweise von unserem Drummer viel über licht- und tontechnische Grundlagen lernen, da er beruflich im Bereich Veranstaltungstechnik tätig ist. Diese Grundlagen könnten auch für den Bereich Audioproduktion im Tonstudio nützlich sein.

War das Praktikum wirklich eine „Entscheidungshilfe im Selbstfindungsprozess“ (s. Titel)?

JA und NEIN.

Zum einen bin ich mir nun etwas bewusster über verschiedene berufliche Möglichkeiten, zum anderen möchte ich zum derzeitigen Zeitpunkt noch keine endgültige Entscheidung zwischen den Optionen Lehrer und freiberuflicher Musiker treffen. Ich muss es ja auch (noch) nicht, da ich immer noch 2 Jahre vor mir habe, in denen ich auf jeden Fall den „Master of Education“ machen werde. Allerdings habe ich mein Bachelor-Studium bereits um ein 7. Semester verlängert, da ich unter anderem derzeit an den Perspektiven dranbleiben möchte im freiberuflichen Bereich wenigstens einige Optionen parallel zum Studium auszuprobieren – Gesangsunterricht, Workshops im Bereich Bandarbeit und vor allem die Arbeit in und an meiner eigenen Band.

Zu meiner Band „Max im Parkhaus“:

Ich möchte nicht allzu überheblich wirken oder utopische Fantasien beschwören. Faktisch haben wir allerdings schon als Vorband von Luxuslärm (Oktober 2013) und Joris (Mai 2015) gespielt und werden im Juni 2015 vor Christina Stürmer und erneut mit der Band Luxuslärm zusammen auf der Bühne stehen. Da sich derzeit viele Ereignisse überschlagen, ist bei uns die Motivation ziemlich groß aus der Band mehr als nur ein Hobby zu machen. Natürlich versuchen wir aber auch immer wieder realistisch zu reflektieren, was realisierbar und was utopisch ist.

Meine Ungewissheit bezüglich einer freiberuflichen Tätigkeit hat sich durch das Praktikum nicht vertreiben lassen können, jedoch bin ich mir nun bewusster, wo meine Fähigkeiten und auch meine Motivation liegen. Ich könnte mir nun eher vorstellen freiberuflich zu arbeiten, unter der Voraussetzung, dass ich mir durch stetige Selbstreflexion immer wieder verdeutliche, was ich bereits kann und woran ich noch arbeiten muss, um innovativ und professionell als Musiker arbeiten zu können.


Quellen:

http://www.cvtdeutschland.de

http://www.maximparkhaus.de

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