„Tanze kleiner Bär…“

Mein Start ins Berufsfeldpraktikum verlief mit einer unerwartet großen Selbstbeteiligung und Improvisation. Ich wusste am Morgen meines ersten Tages nur, dass ich meinen Praktikumsleiter bei einem Konzert begleiten solle, das er an einer Grundschule aufführen würde. Dieser ist eigentlich ein studierter Jazzmusiker, jedoch durch seine Tätigkeit als Leiter einer Jugendkunstschule oft in Kontakt mit Kindern und Jugendlichen. An besagter Grundschule angekommen half ich ihm beim Aufbau der mitgebrachten Technik (PA zur Abnahme von Gesang und Gitarre) und drei großer Kisten, in denen sich zahlreiche Kostüme, Rasseln und andere Instrumente befanden.

Währenddessen wurde mir Näheres zum Konzert erzählt:

Anlässlich einer Schulfeier war ein Kinderkonzert geplant, bei dem die Schülerinnen und Schüler unterhalten werden sollten. Mein Praktikumsleiter erzählte mir, dass er solche Kinderkonzerte häufiger zusammen mit einem „Trommler“ machen würde, der nach eigenen Angaben selbst nie Musik o.ä. studiert hatte, aber über 10 Jahre lang zusammen mit einer (nach eigenen Angaben) recht erfolgreichen Band aufgetreten war. Dies fand ich interessant, da ich bis dahin glaubte nur studierte MusikerInnen an meinem Praktikumsort vorzufinden. Das Programm bestand aus selbst geschriebenen Liedern und improvisierten Einlagen und „Scherzen“, wobei die Kinder oft animiert wurden mitzumachen.

Während des Aufbaus erklärte man mir, wie die Abfolge der Lieder sein würde und wo ich mich einbringen solle. Bei einem Lied schlüpfte ich in ein Bären-Ganzkörperkostüm, für ein anderes spielte ich das besungene Krokodil. Außerdem wurde mir erklärt, wie man eine Steel Drum spielt, sodass ich mich auch musikalisch einbringen konnte. Rückblickend kann ich sagen, dass ich lange nicht mehr so spontan gewesen bin, und es gar nicht so leicht war mich vor den Kindern „zum Bären zu machen“.

Für den weiteren Verlauf meines Praktikums möchte ich nun vordergründig nicht nur nach möglichen beruflichen Einsatzgebieten von MusikerInnen suchen, sondern auch der Frage nachgehen, inwieweit ein Musikstudium zwangsläufig notwendig für diese Tätigkeiten ist – unabhängig davon, dass eine musikalische Weiterbildung jeglicher Art mit einem persönlichen künstlerischen Ansporn zur Professionalisierung zusammenhängt. Im Hinblick auf diese Fragen möchte ich mich in den folgenden Wochen mit den an meinem Praktikumsort tätigen MusikerInnen austauschen.

Allerdings stellt sich für meine theoriebasierte Praxisreflexion noch eine wichtige Frage: In welcher Form kann ich bei meinem persönlichen Praktikumsziel (BFP als Entscheidungshilfe bei der Frage „lehrerodermusiker?“) sinnvoll Theorie einbinden, ohne dass ich zu weit davon abrücke?

Habt ihr Ideen :)?

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3 Gedanken zu “„Tanze kleiner Bär…“

  1. Da du dir mit der Entscheidung deiner Berufswahl einen sehr persönlichen Reflexionsfokus ausgesucht hast, ist es schwer, dazu passende allgemein gefasste Theorien zu finden. Ist deine Alternative zum Lehrerberuf denn die des Musikpädagogen bzw. möchtest du den Aspekt der Arbeit mit Kindern/Jugendlichen und Musik auf jeden Fall in deinem Beruf ausüben? In diesem Fall wäre es ja vielleicht möglich, sich zunächst mit Überschneidungen beider Berufszweige auseinanderzusetzen und dabei auf grundsätzliche Aspekte der Musikpädagogik einzugehen. Als Pro- und Contra-Argumente für oder gegen eine Berufsentscheidung könnten ja daran anknüpfend die individuellen Unterschiede der einzelnen Berufe dienen. Ich hoffe, ich habe deine Frage richtig verstanden und konnte dir zumindest ein bisschen helfen! 🙂

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  2. Vielleicht gibt es ja auch Theorien oder Studien zum Thema „Musikerberufe“?
    Wenn es gar nichts passendes gibt, wie wäre es denn damit, dass du als Theorie „Empirische Studien“ zum Thema nimmst und dann selbst eine Studie ( mit Fragebogen etc.) machst.Das hilft die bestimmt auch für deine Entscheidung!

    Abschließend möchte ich sagen, dass ich mich sehr über deinen Kommentar: „Ich war lange nicht mehr so spontan“ amüsiert habe =) Das ist mir in mienem Praktikum auch häufiger aufgefallen, wo ich ja quasi gerade auch als freie Musikerin arbeite und jeden Tag aufs neue ins kalte Wasser springen muss! Ich glaube das bringt der Beruf irgendwie mit sich – man kann sich noch so gut vorbereiten, aber letztendlich kommt doch alles anders…

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  3. Ich kann mich dem anschließen, was die Zwei vor mit auch schon schrieben! Vermutlich findest du kein Buch mit dem Titel deiner Leitfrage. Vielleicht kannst du mal erklären, wovon deine Entscheidung abhängt. Welche Faktoren sind für dich wichtig und wie bewertest du sie? Vielleicht gibt es dann dazu passendere Theorie.

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